Freitag, April 20, 2012

Zappenduster

 Steve Mosby - Spur ins Dunkel

Klappentext:

»Ich komme zurück.« Der Brief, den sie auf dem Küchentisch hinterließ, ist das Letzte, was Jason von seiner Freundin Amy gehört hat. Seit Wochen wartet er auf ein Lebenszeichen von ihr. Als er sich schließlich auf die Suche macht, stellt er zu seiner Bestürzung fest, dass Amy im Internet ein bizarres zweites Leben führte. Mord- und Vergewaltigungsseiten tauchen in ihrem Browserverzeichnis auf. Jason hat keine Wahl: Er muss der Spur dieser Websites folgen, um Amy zu finden. Oder ihren Kidnapper. Oder ihren Mörder. - so lautet der Klappentext.

Mein Senf:

Leider hat das Buch selbst nur entfernt mit diesem zu tun. Der Text springt - ohne Logik - zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, so dass ich ohne die kurze Inhaltsangabe auf dem Klappentext wahrscheinlich erst auf Seite 200 hätte erahnen können, worum es in dem Buch eigentlich gehen könnte. Ich muss mich korrigieren, ich weiß auch nach den kompletten 375 Seiten nicht, wovon dieses Buch handelt. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich die letzten 100 Seiten nur noch quer gelesen habe, damit das Leiden endlich ein Ende hat.

Auch das Setting bleibt unklar - ich habe mir zusammengereimt, dass das Buch in der näheren Zukunft spielt, ist aber eigentlich auch nicht von Belang, außer, dass es den Leser zusätzlich verwirrt.

Quintessenz des Buchs: Manche Texte leben und pflanzen sich fort. Hoffentlich nicht, denn noch mehr von diesem Mist braucht wirklich keiner.

1 von 5 Punkten

Donnerstag, April 19, 2012

Schön Schaurig

Schwarzer Schmetterling - Bernard Minier

Klappentext:

Bei eisiger Dezemberkälte schweben zwei Arbeiter in einer Seilbahn zu einem Wasserkraftwerk in 2000 Meter Höhe. An der Bergstation machen sie eine verstörende Entdeckung: Ein riesiger, bedrohlich schwarzer Schmetterling scheint sich von den schnee- und blutbedeckten Felsen abzuheben. Ein Tierkadaver, grauenvoll inszeniert. Das Werk eines Wahnsinnigen? Am Tatort werden DNA-Spuren des hochintelligenten Serienmörders Julian Hirtmann gefunden. Doch dieser sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt einer hermetisch abgeriegelten psychiatrischen Anstalt. Wie konnte der gefährlichste Serientäter Europas am Tatort seine Spuren hinterlassen, obwohl er nie seine Zelle verlassen hat? Noch während Commandant Servaz und die junge Anstaltpsychologin Diane Berg versuchen, das Rätsel um den schwarzen Schmetterling zu lösen, wird der kleine französische Ort von einer kaltblütig inszenierten Mordserie erschüttert, die die Ermittler an den Rand ihrer psychischen Belastbarkeit bringt … 

Mein Senf:

Glace - "Eis" der französische Originaltitel gefällt mir deutlich besser als der "schwarze Schmetterling", der in der deutschen Übersetzung über den Buchrücken flattert. Denn in den eisigen Bergen der Pyrenäen spielt dieses Buch und die Dunkel- und Hoffnungslosigkeit vorsaisonaler, eingeschneiter Bergkäffer trägt maßgeblich zu der beklemmenden Grundatmosphäre des Buches bei.

Darin wird zu Anfang der feinsinnige, aber desillusionierte Commandant Martin Servaz nach Saint-Martin abkommandiert, weil dort das Pferd eines französischen Milliardärs tot und unter bizarren Umständen in 2000 Metern Höhe aufgefunden wird. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Anstalt für geistesgestörte Schwerstkriminelle, an der die zweite Protagonistin des Buchs, Diane Berg, gerade erst ihren Dienst aufgenommen hat. Als weitere Morde geschehen wird nicht nur dem geneigten Leser schnell klar, dass ein totes Pferd in diesem Szenario noch das kleinste Problem sein dürfte.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie gut mir das Buch gefällt - bin ich völlig begeistert und der Meinung, dass sich dieser Erstling in die Tradition eines Grange einreiht, oder bleibe ich zum Schluss ein wenig ratlos zurück, weil mir zumindest der private Cliffhanger etwas platt erscheint?

Egal, bis dahin wird man auf knapp 700 Seiten wirklich sehr gut unterhalten - einzig die schlamperte Übersetzung und das deutsche Lektorat nerven ein wenig. Der Plot hingegen hebt sich erfrischend vom üblichen Serienmörder-Krimi ab. Zwar werden im Verlauf Menschen phantasievoll gemeuchelt oder verschwinden und jeder - allen voran Julian Hirtmann, der Art Schweizer Hannibal Lecter der Anstalt - scheint sein eigenes Süppchen zu kochen, aber einfache Lösungen nach Schema F werden trotzdem nicht angeboten, sondern bei den Motiven handelt es sich um komplexe, teils sogar durchaus nachvollziehbare Gründe. Die Stimmung des Buchs ist düster und man merkt, dass der Autor mit den Zuständen in Frankreich alles andere als zufrieden ist. Dennoch fügt sich seine Gesellschaftskritik gut in das Buch ein und treibt die Handlung voran, statt sie zu bremsen.

Schön fand ich auch, dass sich hier Kommissar Zufall in engen Grenzen hielt, Ein klein wenig überflüssig fand ich nur, dass sich hinter jedem der handelnden Akteure ein wenn auch noch so kleines Geheimnis verbergen musste, das haben Plot und Charaktere doch gar nicht nötig. Fazit: Erfreulicherweise lässt das Ende des Buchs eine Fortsetzung mit den liebgewonnenen Protagonisten vermuten. Also 4 und ein halber Stern für dieses tolle Debüt und da man das nicht vergeben kann: fünf:-)

Mittwoch, April 18, 2012

Skandinavisches Schwarzbrot




Julie Hastrup - Vergeltung

Klappentext:

"In einer warmen Sommernacht wird die junge Anna ermordet aufgefunden, nicht weit entfernt von ihrem Elternhaus in einer dänischen Kleinstadt. Die Polizei zieht die Sonderermittlerin Rebekka Holm hinzu. Die findet bald heraus, dass das Verbrechen bis in seine Einzelheiten an einen 20 Jahre zurückliegenden Mord an einer jungen Frau erinnert. Hat sich das Verbrechen von damals wiederholt? Hat Erik, Sohn des örtlichen Pfarrers, seine Freundin umgebracht? Doch dann wird ein zweijähriges Mädchen entführt. Ihr Name: Anna..."

Mein Senf: 

So spannend wie der Klappentext hoffen lässt, gestaltet sich das Buch selbst leider nicht. Und auch wenn selbiger zumindest ganz entfernt noch etwas mit der tatsächlichen Handlung des Buchs zu tun hat, erwartet einem jedoch insgesamt ein gänzlich anderer Plot als dieser kurze Abriss erwarten ließe. Und man muss sagen: leider. Denn wenn der der Klappentext nach Kaviarbrot klingt, so erwartet einem in diesem Buch beim Reinbeißen, äh, -lesen leider dann doch nur Schwarzbrot. Grundsolide, nahrhaft, aber vom Geschmack her leider alles etwas staubig.

Die Geschichte selbst wirkt stellenweise arg konstruiert und für den Vielkrimileser recht vorhersehbar - inklusive der genretypischen stetig wechselnden Perspektiven und Handlungssträngen. Unsere Ermittlerin ist in Teilen sympathisch, dank der mittlerweile ebenfalls obligatorischen Ermittler-Backstories, aber letztlich doch wieder nur ein Klischee auf zwei Beinen. Die "zarte" Liebesgeschichte und das "dunkle" Geheimnis hätte es wirklich nicht gebraucht. Da hätte, wie auch an anderen Stellen, ein guter Lektor sicher einiges gestrafft und verbessert.

Alles in allem war das Buch nett, aber da man ja weiß, dass "nett" die kleine Schwester von "schei***" ist... nein, das ist vielleicht ein wenig zu hart geurteilt, aber ehrlich gesagt ist die wohl bereits geplante Fortsetzung dieser Reihe für mich weit davon entfernt ein "must read" zu sein.

3 von 5 Punkten

Kommissar Zufall

Die Maya-Prophezeihung - Bo Sanders

Klappentext:

"Dezember 2012: In einem unterirdischen Berliner Bunker wird die Leiche einer erfolgreichen Unternehmerin entdeckt, bei der Leiche eine tödliche Prophezeiung. Kann diese mithilfe der Schriften einer grönländischen Schamanin entschlüsselt werden? Kommissar Lukas zieht eine Ethnologin hinzu, die aus der Botschaft einen Hinweis auf eine weitere Tote in London herausliest.

Als sie und Lukas dort ankommen, ist es bereits zu spät: Diesmal ist die Tote eine stadtbekannte Modedesignerin. Und wieder findet sich eine Botschaft mit einer grausigen Prophezeiung … Während unter Hochdruck ermittelt wird, nähert sich der 21.12.12 – der Tag, an dem der geheimnisumwobene Maya-Kalender endet. Geht an diesem Tag die Welt unter, wie eine ominöse Gruppe von Frauen predigt? Und was hat die rätselhafte Mordserie damit zu tun?"

Mein Senf: 

Ich gestehe, ich bin ein Riesen-Fan von Weltuntergangsszenarien, liebe die gute alte Johannes-Apokalypse und kann auch dem Mayakalender einiges abgewinnen. Von daher musste ich 'Die Maya-Prophezeiung' am Flughafen einfach mitnehmen.

Leider hält Bo Sanders nicht ganz, was ihr Titel verspricht. Zwar dreht sich alles um besagte Prophezeiung, aber leider ist mir Kommissar Zufall in diesem Buch präsenter als Sanders Held, Kommissar Max Lukas vom LKA Berlin. Der ist übrigens wie neuerdings in Krimis scheinbar so üblich, vom Schicksal gebeutelt und säuft, die Heldin ist tablettensüchtig und ihr Vater hat Alzheimer, so dass die für den Publikumserfolg nötigen Schicksalsschläge der Protagonisten vorhanden wären.

Ansonsten ist die Autorin sauber auf den Weltuntergangszug aufgesprungen, gibt diesem aber durchaus einen neuen Twist. Ihre Morde sind zudem kreativ, die Protagonisten trotz aller Mängel sympathisch und Grönland als Setting nett. Allerdings spielt, wie eingangs schon erwähnt, der Zufall eine zu große Rolle. Dafür gibt es Punktabzug, genauso wie für den Fact, dass der Täter trotz vieler roter Heringe schnell auf der Hand liegt.

Ansonsten merkt man, dass die Autorin Ethnologin ist. Sie weiß also, wovon sie bei der Maya-Kultur schreibt und man merkt, dass sie die Art, wie die Maya-Kodizes derzeit vermarktet werden, verachtet. Und da mir ihre Botschaft, nicht dem Spiel mit der Angst aufzusitzen, sympathisch ist, gibt es für diesen Erstling drei Punkte.

3 von 5 Punkten