Donnerstag, April 19, 2012

Schön Schaurig

Schwarzer Schmetterling - Bernard Minier

Klappentext:

Bei eisiger Dezemberkälte schweben zwei Arbeiter in einer Seilbahn zu einem Wasserkraftwerk in 2000 Meter Höhe. An der Bergstation machen sie eine verstörende Entdeckung: Ein riesiger, bedrohlich schwarzer Schmetterling scheint sich von den schnee- und blutbedeckten Felsen abzuheben. Ein Tierkadaver, grauenvoll inszeniert. Das Werk eines Wahnsinnigen? Am Tatort werden DNA-Spuren des hochintelligenten Serienmörders Julian Hirtmann gefunden. Doch dieser sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt einer hermetisch abgeriegelten psychiatrischen Anstalt. Wie konnte der gefährlichste Serientäter Europas am Tatort seine Spuren hinterlassen, obwohl er nie seine Zelle verlassen hat? Noch während Commandant Servaz und die junge Anstaltpsychologin Diane Berg versuchen, das Rätsel um den schwarzen Schmetterling zu lösen, wird der kleine französische Ort von einer kaltblütig inszenierten Mordserie erschüttert, die die Ermittler an den Rand ihrer psychischen Belastbarkeit bringt … 

Mein Senf:

Glace - "Eis" der französische Originaltitel gefällt mir deutlich besser als der "schwarze Schmetterling", der in der deutschen Übersetzung über den Buchrücken flattert. Denn in den eisigen Bergen der Pyrenäen spielt dieses Buch und die Dunkel- und Hoffnungslosigkeit vorsaisonaler, eingeschneiter Bergkäffer trägt maßgeblich zu der beklemmenden Grundatmosphäre des Buches bei.

Darin wird zu Anfang der feinsinnige, aber desillusionierte Commandant Martin Servaz nach Saint-Martin abkommandiert, weil dort das Pferd eines französischen Milliardärs tot und unter bizarren Umständen in 2000 Metern Höhe aufgefunden wird. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Anstalt für geistesgestörte Schwerstkriminelle, an der die zweite Protagonistin des Buchs, Diane Berg, gerade erst ihren Dienst aufgenommen hat. Als weitere Morde geschehen wird nicht nur dem geneigten Leser schnell klar, dass ein totes Pferd in diesem Szenario noch das kleinste Problem sein dürfte.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie gut mir das Buch gefällt - bin ich völlig begeistert und der Meinung, dass sich dieser Erstling in die Tradition eines Grange einreiht, oder bleibe ich zum Schluss ein wenig ratlos zurück, weil mir zumindest der private Cliffhanger etwas platt erscheint?

Egal, bis dahin wird man auf knapp 700 Seiten wirklich sehr gut unterhalten - einzig die schlamperte Übersetzung und das deutsche Lektorat nerven ein wenig. Der Plot hingegen hebt sich erfrischend vom üblichen Serienmörder-Krimi ab. Zwar werden im Verlauf Menschen phantasievoll gemeuchelt oder verschwinden und jeder - allen voran Julian Hirtmann, der Art Schweizer Hannibal Lecter der Anstalt - scheint sein eigenes Süppchen zu kochen, aber einfache Lösungen nach Schema F werden trotzdem nicht angeboten, sondern bei den Motiven handelt es sich um komplexe, teils sogar durchaus nachvollziehbare Gründe. Die Stimmung des Buchs ist düster und man merkt, dass der Autor mit den Zuständen in Frankreich alles andere als zufrieden ist. Dennoch fügt sich seine Gesellschaftskritik gut in das Buch ein und treibt die Handlung voran, statt sie zu bremsen.

Schön fand ich auch, dass sich hier Kommissar Zufall in engen Grenzen hielt, Ein klein wenig überflüssig fand ich nur, dass sich hinter jedem der handelnden Akteure ein wenn auch noch so kleines Geheimnis verbergen musste, das haben Plot und Charaktere doch gar nicht nötig. Fazit: Erfreulicherweise lässt das Ende des Buchs eine Fortsetzung mit den liebgewonnenen Protagonisten vermuten. Also 4 und ein halber Stern für dieses tolle Debüt und da man das nicht vergeben kann: fünf:-)

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